77 Tage Australien

Wochenrückblick 09 Teil 1 – Australische Seelöwen

Schnorcheln mit Australischen Seelöwen

Ich merkte schon den Abend davor, dass meine Aufregung stieg. Wie wird es wohl werden? Habe ich doch von diesem Event schon so lange geträumt! Und ich sollte noch durch Höhen und Tiefen gehen. Natürlich waren wir wieder einmal viel zu früh am Treffpunkt, einem schnicken Ladengeschäft mit Büro. Es gab Kaffee und Free Wifi. Aber ich wollte nicht trinken ich wollte mit den Seelöwen schnorcheln. Sollte ich vorab noch die Tabletten gegen Seekrankheit einnehmen? Bin ich doch eigentlich nicht so empfindlich. Wieviele Personen kommen wohl mit? So langsam kamen immer mehr Menschen in den Laden. Und ich erfuhr, dass mit uns weitere 17 Personen zu den Seelöwen fahren sollten. Nicht die besten Voraussetzungen für Bilder von Seelöwen ohne Menschen in zu engen Wetsuits 🙁

Regen war ab 13.00 Uhr vorhergesagt. Von Lady Elliot haben wir gelernt, dass dann das Meer ruhiger ist und so sollte es auch eintreffen. Es war nicht glatt wie ein Kinderpopo, aber es hatte angenehme kleine Wellen. 🙂

Es ging auf’s Boot. Jetzt einen strategisch guten Platz aussuchen. Möglichst in der Mitte des Schiffes, da es sich hier nicht so stark bewegt, trotzdem sollte der Platz eine Nähe zu guten Positionen haben, wo man Fotos machen kann. Die Sitze waren wir im Flugzeug in Vierer-Reihen angeordnet. Die erste Reihe war schon besetzt, so nahmen wir in der zweiten Reihe platz.

Die fast 1 1/2 stündige Fahrt wurde genutzt die Wetsuits und das Schnorchelequipment auszugeben. Das Wasser sollte Nordseewassertemperturen haben. Da wäre ein Wetsuits schon gut. Aber ich weiß, dass es auch eine große Herausforderung für den Veranstalter ist für alle Teilnehmer einen Wetsuit bereitzustellen. Unser Guide hatte einen guten Blick für die Größen und Kerstin hatte schon Ihren Anzug. Immer wenn sich unsere Augen trafen, vom Guide und mir, wichen wir den Blicken aus. Ihre Assistentin hatte mir auch schon Flossen gereicht, die ich dann gegen etwas noch größere Flossen getauscht habe. Ja, ich lebe auf großem Fuß, Schuhgröße 48. Diese sollte ich dann auch bekommen. 🙂

Jetzt hatten alle im Boot ihren Wetsuit bekommen und dann kam der Guide mit einem breiten Lächeln auf mich zu und übergab mir meinen Wetsuit. Er war riesig und sah aus wie die Haut eines Walhais, aber die Größenbezeichnung lies mich etwas zweifeln, ob ich da wirklich reinpassen würde.

Ich nutzte nicht die Umkleidekabine, denn die war nur etwas größer als der vor mir liegende Wetsuit. Im Heck gab es eine große Kiste, die nutzte sie als Bank und versuchte mich in den Anzug zu quetschen. Zum Glück gibt es davon kein Video. Die anderen blickten auch eher weg und überliessen mich meinen Versuchen. Das erste Nadelöhr waren dann auch schon meine kräftigen Unterschenkel. Ich zog und zog und hatte den ersten Fuß drinnen als mir bewußt wurde, dass der Reißverschluss ja hinten sitzen muss. Also noch einmal von vorne. Schweißperlen bildeten sich auf meiner Stirn. Die Stimmung wurde etwas hektischer. In 10 min sollten wir die Seelöwen erreichen. Ich zog und zog, aber der Anzug bildete mit meiner Haut eine homogene Verbindung und die Sonnencreme von heute morgen fungierte als Vulkanisierungskleber. Nichts ging mehr. Ein Fingernagel nach dem anderen brach bei mir ab und ich habe nun auch wirklich nicht lange Fingernägel. Ich kam bis zu den Oberschenkeln und bat Kerstin um kompetentes Feedback. Würde er sich auch schliessen lassen. Ich hoffte auf ein Kopfnicken, aber ich bekam ein leichtes Kopfschütteln…

Das Ausziehen ging dann irgendwie viel Schneller und ich fühlte mich wieder frei. Jetzt hatten wir auch die kleine Insel erreicht. Hunderte von Kormoranen versperrten uns die Sicht auf die Seelöwen. Aber kurze Zeit später flog dieser riesige Schwarm davon. Die wollten nicht mir uns spielen und hatten wohl auch die Erfahrung, dass 19 paddelnde Menschen vor der Küste nicht gut für den Fischfang wären. Die Seelöwen guckten auch schon neugierig zu uns. Die ersten waren nicht zu bremsen und wollten gleich ins Wasser. Ich hielt mich etwas zurück, denn ich wollte ja noch meine Unterwasserkamera mitnehmen und ich hatte nicht so viel Lust auf Flossen und Ellenbogen im Gesicht oder in den Rippen.

Ups, ist das kalt, hörte ich dann die ersten Stimmen. Und das kam von Personen in engsitzenden Wetsuits. Das kann ja etwas werden. Alle waren im Wasser und nun ging ich auch zum Heck des Bootes. Das Wasser hatte die „Nordseewassertemperaturen“. Ich selbst kann nichts über die Temperatur sagen, denn die Mischung von Adrenalin und Dopamin sorgte dafür, dass ich zentralisierte und alle Sinne auf die Seelöwen gerichtet waren. Leider war das Wasser etwas trübe, so dass es nicht einfach war die Seelöwen im Wasser zu sehen. “HIER” schrie unser Guide und zeigte uns damit, dass hier ein Seelöwe wäre. Ich schwam dort hin, aber nach kurzer Zeit hatte ich Flossen im Gesicht und Ellenbogen an allen Stellen des Körpers. Die Menschen hatten blutgeleckt und vergaßen alles um sich herum um möglichst nah zu den Seelöwen zu kommen.

Es gab mehrere Strategien:

1. Sich in der Nähe des Guides aufhalten, d.h. sich den / die Seelöwen mit vielen teilen und ggf. blaue Flecken einstecken.

2. In der Nähe des Strandes, Tiere die dort waren, neugierig zu machen, dass sie zu einem ins Wasser kommen würden. Vergebliches Unterfangen, wie Kerstin später beobachtete, denn es waren die Muttertiere mit ihren Jungtieren, die niemals mit ihnen zu den Touristen ins Wasser gehen würden.

Ich ging den dritten und meinen Weg. Ich ging etwas weg von der Gruppe und machte Lärm im Wasser u.a. Schlug ich laut auf das Wasser, machte Luftblasen, paddelte Wasserspritzend mit den Flossen. Seelöwen wollen Action und dass sind halt aus ihrer Sicht nicht die Touristen die im Wasser stehen und warten, dass ein Seelöwe kommt.

Das jedenfalls war meine Annahme. Ich guckte um mich herum und entdeckte dann auch schon einen Seelöwen. Was für ein Moment. Er guckte mich direkt an. Er spielte mit mir und ich mit Ihm. Ich kann nicht sagen, wie lange wir Zeit verbracht haben. Mir kam es wie eine Ewigkeit vor. Aber dann war er auch schon wieder weg. Durch mein breites Grinsen kam Wasser in die Maske. Ich korrigierte den Sitz und guckte wieder unter Wasser und sah nun zwei Seelöwen. Er hatte wohl seinen Freund mitgebracht. Wir schnorchelten wieder etwas zusammen. Dann waren sie weg und ich suchte sie. Nach einer Weile sah ich die beiden dann wieder. Was freute ich mich! Mein Blick folgte ihnen, aber was ich dann sah raubte mir fast den Atem. Ich sah ihre ganze Familie! Acht oder neun Seelöwen wollten sich mal angucken, was da vor ihrer Insel im Meer schwamm. Es hatte sich wohl rumgesprochen und nun wollten sie mir mir spielen. Was für ein Erlebnis. So viele Seelöwen für mich ganz allein 🙂 Ein Moment, denn ich mein Leben nicht vergessen werde und zum Glück habe ich auch nicht vergessen, ab und zu mal auf den Videoknopf zu drücken um Euch teilhaben zu lassen an diesem Moment.

Video vom Schnorcheln mit den Australischen Seelöwen

Insgesamt waren wir wohl 1 1/2 Stunden im Wasser. Ich bekam dann auch das Zeichen, dass wir zurück zum Boot sollten. Wie heißt es so schön, wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. Ich schwamm voller Dopamin zurück zum Boot und hätte am liebsten jeden umarmen können. Umso schöner war es, dass ich mit Kerstin diesem Moment jetzt und hier teilen konnte.

Als wir dann alle wieder auf dem Boot waren, war im Wasser die Hölle los. Also ob die Seelöwen sagen wollten, kommt noch einmal ins Wasser, wir wollen mit Euch spielen.

Auf dem Rückweg begleiteten uns dann noch ein paar Delphine, was für ein Abschluß!

Und da Port Lincoln DER Hafen für die Australische Fischfangflotte ist, mussten wir natürlich hier auch Fisch essen.

Wir haben uns den Fangfrischen Fisch als Sashimi zubereiten lassen. Yummy, war das lecker!

Ein Klick auf das Bild zeigt es in groß an…